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Geschichte der Lollfußer Schützengilde

Im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit, Amen. So beginnen alle wesentlichen Urkunden des 17. und 18. Jahrhunderts, auch die der Lollfußer Schützengilde, die zunächst als Scheiben-und Brandgilde am 20. Juli 1699 von 70 Bürgern des Lollfuß gegründet wurde. Wie bei allen Gilden der damaligen Zeit bestand der Vorstand aus zwei Älterleuten und zwei Schaffern. Die Gildeartikel hatten 27 Paragraphen in denen viele Dinge im Detail geregelt waren und die vom Inhalt durchaus bis heute Bestand haben.
1705 wurde dann aus der „ Scheiben“- eine „Vogelgilde“ und der Gottorfer Herzogs-Vormund, Fürstbischof Christian-August, verehrte der Gilde eine Koppel auf dem Hesterberg einschließlich der dort stehenden „Herzoglichen Vogelstange“.
1713 musste das Haus Gottorf endgültig auf ihre Schleswigschen Anteile verzichten und so wurde auch die Koppel wieder eingezogen, aber 1732 durch König/Herzog Christian VI neu geschenkt. Sie ist auch heute noch im Besitz der Gilde. Hier wurde dann eine neue  hölzerne Vogelstange errichtet, die, mehrfach erneuert, bis 1928 dort stand. 
1936 wurde sie durch die noch heute stehende, eiserne, ersetzt.
Die Gilde hatte immer ein gutes Verhältnis zu den Repräsentanten des Landes, so war der Stifter der Koppel, Christian VI von Dänemark, 1734 Schützenkönig. Ihm wurde diese Ehre angetragen, er war nicht selbst anwesend. Sein Sohn und Nachfolger, Friedrich V, hat 1748 auf einer Reise durch Schleswig tatsächlich persönlich auf den Vogel geschossen, ohne König geworden zu sein.
1819 war auch Herzog Friedrich-Wilhelm von Schleswig-Holstein- Sonderburg-Beck (ab 1825 Glücksburg statt Beck) König. Er war der Gründer der jüngeren Glücksburger Linie, aus dem das heute in Dänemark regierende Königshaus stammt. Sein Sohn, Herzog Carl, Bruder des Dänischen Königs Christian IX, wurde 1869 Schützenkönig und Ehrenmitglied. Zum Ehrenmitglied war 1865 auch  Herzog Friedrich VIII von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Vater der letzten Deutschen Kaiserin, ernannt worden.
1844 wurde die Koppel dem „Alten Gesangverein von 1839“ zur Ausrichtung eines großen  Sängerfestes zur Verfügung gestellt. Auf diesem Fest wurde das Schleswig-Holstein-Lied uraufgeführt und die Blau-Weis-Rote Fahne erstmals gezeigt. Beide sind heute wesentliche Symbole unseres Landes. Zum Andenken an dieses Ereignis wurde 50 Jahre später oberhalb der Koppel das Chemnitz-Bellmann-Denkmal errichtet. Die stilisierte Form ist seit den 1960er Jahren das Symbol unserer Gilde. Die anderen Symbole der Gilde, die „Grüne Schleife“ und der „Lollfußer Schützenmarsch“ sind beide deutlich über 100 Jahre alt. Die Schleife wurde zum Schützenfest 1869 erstmals getragen, danach zunächst nur zum Schützenfest, ab 1921 auch zu anderen Veranstaltungen. Der Schützenmarsch entstand 1909. Der damalige Ältermann W.G.Thiessen dichtete die ersten sechs Strophen, die Melodie schrieb der Obermusikmeister Schönemann vom Husarenregiment. 
Der spätere Ältermann L. Hoffmann ergänzte nach dem 2. Weltkrieg die Strophen 7-9.
Als einzige der drei Schleswiger Gilden führt die Lollfußer Schützengilde zwei Fahnen. Die sogenannte „Erste Fahne“, die heutige ist die vierte ihrer Art, gibt es von Beginn an. Die „Zweite Fahne“ wurde 1865 angeschafft, um ein Symbol des unabhängigen Schleswig - Holstein zu zeigen. Dieser damalige Wunsch, ein selbständiger Staat im Deutschen Bund / Reich ging erst nach dem 2. Weltkrieg in Erfüllung, und so zeigt diese Fahne, die heutige ist das zweite Exemplar, unsere besondere Bindung an unser Bundesland.
Alle Gildeakten und alle Silbersachen seit der Gründung sind bis heute erhalten. Ein Teil der Silbersachen wird im Stadtmuseum ausgestellt, die Originale der Gildeakten sind im Landesarchiv aufbewahrt.
Obwohl die Lollfußer Gilde die jüngste unter den Gilden der Stadt ist, ist sie stets traditionsbewusst, heimattreu und lebendig geblieben. In diesem Bewusstsein war es auch die Lollfußer Gilde, die nach dem Zusammenbruch 1945 als erste wieder zusammentrat und 1949, anlässlich ihres 250 jährigen Bestehens, das erste Schützenfest nach dem Kriege in der Stadt ausrichtete.
Die drei Gilden unserer Stadt wetteifern um die Gunst der Bürger und um neue Mitglieder, Sie sind sich aber immer einig, wenn es um das Wohl aller Gilden und um das Wohl unserer Heimatstadt Schleswig geht.
F. W. Rodefeld

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